Gewinner 2016

Markthalle Rotterdam gewinnt in Frankfurt

In der Astor-Filmlounge verlieh der GCSC zum vierten Mal den Europäischen Innovationspreis Handel. Ausgezeichnet wurden das Projekt des Architekten Winy Maas und ein Pappkarton mit erstaunlichen Fähigkeiten.

Was heißt Innovation? Für Klaus Striebich, Vorsitzender des German Council Of Shopping Centers (GCSC), heißt das »ungewöhnliche Themen« aufgreifen, »ausprobieren« und »ein kleinwenig verrückt sein«. Mit diesen Worten begrüsste er die über 300 Gäste in der Astor
Film Lounge in der Zeilgalerie in Frankfurt am Main. Zum vierten Mal verlieh der GCSC den Europäischen Innovationspreises Handel im Rahmen seines jährlichen Neujahrsempfangs.

 

Aber dieses Mal waren nicht nur die Preisträger innovativ, sondern in gewisser Weise auch die GCSC selbst. Denn anders als in den vergangenen Jahren gab es keinen Preis in der Kategorie »Innenstadt«, den 2015 die Rindermarkthalle auf St. Pauli gewonnen hatte. Nicht mehr zwei, sondern nur noch ein Konzept sollte es in diesem Jahr sein, dass den Europäischen Innovationspreis mit nach Hause nehmen sollte. Dafür vergab der Verband dieses Jahr erstmalig den Sonderpreis »GCSC Award«.

 

Auf die Shortlist schafften es die ECE mit ihren Future Labs in Hamburg
(Alstertal-Einkaufszentrum) und Essen (Limbecker Platz), die Markthalle
Rotterdam, der Multichannel- und CRM-Dienstleister für Modehändler Phizzard, der Fahrradhändler Rose Biketown und das moderne Device-Konzept von »SeedBoard«, das 2015 im Deutschen Pavillon auf der Expo in Mailand vorgestellt wurde. Zu Recht bezeichnete Klaus Striebich alle fünf Nominierten als »sehr außergewöhnliche Innovationen«.

 

Die Entscheidung fiel dann denkbar knapp aus. Lediglich vier Stimmen trennten den ersten und den vierten Platz voneinander. Aber auch eine knappe Entscheidung ist eine Entscheidung. Den Innovationspreis überreichten dann die GCSC-Vorstände Christine Hager und Markus Trojansky an die Markthalle Rotterdam. Sie ist der erste komplett überdachte Lebensmittelmarkt in den Niederlanden – und ihre Dimensionen sind gewaltig. Die hufeisenförmige »Markthal Rotterdam«, wie sie auf Niederländisch heißt, ist 120 Meter lang, 70 Meter breit, und der Scheitelpunkt der Dachkonstruktion liegt in 40 Metern Höhe. Die Fassade besteht aus Glas und Drahtseilen. So kann sie sich bei einem Sturm 75 Zentimeter ausdehnen. Wie aus einem Hollywood-Spielfilm wirkt auch das Deckengemälde vom niederländischen Künstler Arno Coenen. Und ganz so weit weg von der Realität ist dieser Eindruck nicht. Denn für das 11.000 Quadratmeter große Kunstwerk, das mit seinen 4000 Glasscheiben jeden Rahmen sprengt, hat Coenen eine Software verwendet, die normalerweise in Hollywood für Animationsfilme verwendet wird. Das Werk trägt den Titel »Hoorn des Overvloeds« (»Das Horn der Fülle«) – eine Stillleben-Variante im Stil der alten holländischen Meister. Zu sehen sind gigantische Früchte und Weizenähren, die dem Betrachter das Gefühl geben, eine Rolle in »Gullivers Reisen« zu spielen.

 

Der Architekt Winy Maas vom Büro MVRDV hat aber nicht nur eine Markthalle erschaffen. »Wohnen, Shopping und städtische Transformation sind eng miteinander verknüpft«, sagt er. Vom zweiten bis zum elften Stockwerk sind 228 Wohnungen untergebracht. Als Winy Maas zum ersten Mal die Idee hatte, Wohnen und Einkaufen zu verbinden, da sagte man ihm, dass dies nicht gehe. Mit der Markthalle Rotterdam hat er schließlich den Gegenbeweis erbracht. 2014 eröffnete Königin Maxima die Markthalle offiziell.

»SeedBoard« Intelligenter Raum

Wesentlich kleiner und schlichter als die Markthalle Rotterdam ist das »SeedBoard«, aber ebenso innovativ. Deswegen erhielt das Projekt der Firma Milla & Partner aus Stuttgart dieses Jahr in Frankfurt den Sonderpreis »GCSC Award«. Das »SeedBoard« selbst ist dabei nur ein einfaches Stück Pappe. Die Innovation steckt im Raum, in dem es seine
Nutzer anwenden. Entwickelt hat Milla & Partner die Idee für den deutschen Pavillon auf der Expo in Mailand. Den Karton nutzten die Besucher als persönliches Device, das sie nur noch in die installierten Projektionen halten mussten. So ließen sich Texte, Bilder, Filme und Spiele auf dem »SeedBoard« darstellen. Eine Infrarot-Kamera mit 3DTracking bestimmt dabei die Position im Raum, damit die Inhalte ausgespielt werden können.

 

Die speziell entwickelte Software für »SeedBoard« errechnete in Mailand dann gleich für mehrere Personen im Raum die Position. Auf diese Weise ist es möglich, Inhalte von einem Projektor auf mehrere Kartons zu projizieren. »Es steckte sehr viel Arbeit dahinter, eine Intelligenz zu entwickeln, die im Raum ist«, sagte Johannes Milla in Frankfurt. Für den GCSC Grund genug, um die Entwickler aus Stuttgart auszuzeichnen.

Verleihung des GCSC-Nachwuchspreises für journalistische Arbeit

Ebenfalls aus Stuttgart stammt Lisa Rossel. Die Journalistin und Referentin für Öffentlichkeitsarbeit der FDP in Baden-Württemberg erhielt dieses Jahr das Journalistenstipendium des GCSC. Mit dem Stipendium will der Verband junge Nachwuchsjournalisten an die Shopping-Center-Branche heranführen, die einen unvoreingenommen Blick auf die Welt der Handelsimmobilien werfen sollen.